
Ulrich Andermann, Fred Kaspar: Leben im Reichsstift Herford. Stiftsfrauen, Priester, Vikare und Bürger (25. Sonderveröffentlichung des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg e. V.; Herforder Forschungen, Bd. 28)
1. Auflage 2019, 464 Seiten, Hochformat 15,5 x 23 cm
Münster: Aschendorff Verlag, ISBN 978-3-402-24636-8, Preis: 34,00 Euro
Im Buchhandel erhältlich
Beschreibung
Das vorliegende Buch widmet sich der Geschichte des Herforder Reichsstiftes, der ältesten geistlichen Gemeinschaft auf sächsischem Boden. Darüber hinaus geht es um die Stiftsfreiheit, die Keimzelle Herfords, die als geistlich-religiöses und zeitlich eingeschränkt auch als herrschaftliches Zentrum der Stadt galt. Das Buch besteht aus zwei sich einander ergänzenden Teilen. Ulrich Andermann untersucht den Gegenstand aus dem Blickwinkel der Geschichtswissenschaft, Fred Kaspar aus dem der Volkskunde und Baugeschichte. Sie eröffnen damit verschiedene Perspektiven und beleuchten eigene Aspekte der Stiftsgeschichte. Während der Historiker bei den Anfängen der Frauengemeinschaft zum Ende des 8. Jahrhunderts beginnt, beschreitet der Denkmalpfleger und Konservator den umgekehrten Weg. Vom Ende des Stiftes ausgehend, versucht er, zeitlich stufenweise zurückzugehen und auf diese Weise die Topografie wie Bau- und Be-sitzgeschichte der Stiftsfreiheit zu rekonstruieren. Die unterschiedlichen Zugänge der Autoren führen zum Teil zu abweichenden Erkenntnissen und decken damit offene Forschungsfragen auf. Dies betrifft insbesondere die Frage, wann die Stiftsfrauen in Herford das gemeinsame Leben im Konvent aufgegeben haben, was sich strukturell auf das Stiftsleben auswirken musste. Der unterschiedliche Zugriff auf das Thema erweitert zudem die Erkenntnismöglichkeiten: So lassen sich etwa die weitreichenden Folgen der Reformation kaum in den überlieferten Archivzeugnissen erkennen, erweisen sich hin-gegen in der Entwicklung der Freiheit und ihrer Bauten als prägend.
Inhalt
Erster Teil
Ulrich Andermann: Entwicklung, Ansprüche und Wirklichkeit des Herforder Kanonissenstiftes
I. Einführung (S. 15–23)
II. Waltgers Gründung – Die Anfänge Herfords (S. 25–39)
1. Wiederholte Gründungsversuche und der archäologische Befund
2. Bedeutung der Aachener Reichssynode von 816
3. Stift oder Kloster Herford?
III. Das Herforder Stift: Rechtsstellung – Personal – Raumkonzept (S. 41–95)
1. Entwicklungsstufen der Stiftsfreiheit
1.1. Begründung des Immunitätsbezirkes
1.2. Neubeginn des Stiftes in Folge der Ungarneinfälle von 926
1.3. Der Kirchneubau und die Aufhebung der Klausur im 13. Jahrhundert
1.4. Weitere Veränderungen
2. Die Rechtsverhältnisse des Reichsstiftes
2.1. Die Grundherrschaft
2.2. Reichsstift, Reichsfürstenstand und Vogtei
2.3. Verhältnis zu Papst und Bischof
2.4. Die Äbtissin als Stadtherrin
3. Konventsmitglieder und Stiftsangehörige
4. Das Raumkonzept zwischen Norm und Wirklichkeit
4.1. Das Münster als Stifts- wie Pfarrkirche und seine Kapellen
4.2. Abtei- und Konventsgebäude
4.3. Wohngebäude der Stiftskleriker
4.4. Wohngebäude der Ministerialen
4.5. Das Hospital
4.6. Die Stiftsschulen
4.7. Die Gerichtsstandorte des Stiftes
4.8. Sonstige Gebäude der Stiftsfreiheit
IV. Stift Herford zwischen Anspruch und Wirklichkeit (S. 97–163)
1. Herford ein hochadliger Stiftskonvent?
2. Konfessionelle Konformität?
3. Aspekte stiftischen Lebens
3.1. Bibliotheken und Buchlektüre
3.2. Nahrungswesen und Essgewohnheiten
3.3. Kleidung der Kanonissen und Äbtissinnen
3.4. Alltag im Stift – Soziale Kontakte – Reisen
4. Das Nichtalltägliche: Rituale bei Investitur, Wahl und Inthronisierung
5. Der geistliche Bedeutungsverlust des Stiftes
5.1. Präsenz der Kanonissen und Wochenherren
5.2. Alter der Kanonissen
5.3. Das Phänomen der Pfründenhäufung
6. Geistliche Kommunität oder Versorgungsanstalt?
7. Wirtschaftlicher und politischer Bedeutungsverlust
V. Zusammenfassung (S. 165–175)
Zweiter Teil
Fred Kaspar: Die Freiheit Herford. Topografie, Bau- und Besitzgeschichte
I. Fragestellung, Ziele und methodisches Vorgehen (S. 179–184)
II. Spurensuche (S. 185–225)
1. Das langsame Ende 1802–1810
2. Das Pusinnastift 1804–1810
3. Die Abtei Herford
3.1. Die Wirtschaft der Abtei und der Sundern
3.2. Die Verwaltung von Abtei und Reichsstift
3.3. Auflösung der Abtei: Verkauf der Bauten und Verbleib des Archivs
3.4. Wirtschaftlicher Zustand und Erfassung der Einkünfte
4. Die Reichsabtei als historisches Phänomen und Zeugnis
5. Historische Kenntnis, Grundlage von Erhaltungsbestrebungen
III. Was blieb? (S. 227–247)
1. Lesen im Stadtgrundriss: Binnenborg, Hagen, Gräben und Mauern
1.1. Binnenborg und Hagen
1.2. Immunität und Alter Markt
1.3. Ab 1256: Die Freiheit in der Stadt
2. Topografische Befunde als Zeugnis innerer Struktur des Stiftes
3. Klaustrum und Kanonissenkurien
IV. Bauten und Strukturen (S. 249–360)
1. Die Äbtissin und die symbolischen Orte ihrer Macht
1.1. Lage und Grundstück der Abtei
1.2. Bau- und Nutzungsgeschichte der Abtei
1.3. Die Stiftsmobilien
1.4. Eine erste „Abtei“ am Klaustrum (bis 1300)?
1.5. Die alte Abtei ab etwa 1300
1.6. Von der Hauskapelle zur Kanzlei
1.7. Gestalt und Nutzung der Abtei
1.8. Von der katholischen Abtei zum evangelischen Abteischloss
1.9. Das Abteischloss ab 1729
1.10. Die Aula der Abtei, zentraler Ort weltlicher Macht
1.10.1. Lage, Gestalt und Einbindung der Herforder Aula
1.10.2. Bildprogramme als Instrument weltlicher Herrschaft
1.11. Abteigarten und Wirtschaftshof
1.12. Vom Abteischloss zur Fabrik
2. Kurienhöfe der Stiftsfrauen
2.1. Entstehung, Struktur und Lage
2.2. Gestalt und Aufbau der Kanonissenhäuser
3. Wohnhöfe der Geistlichen
3.1. Entstehung, Struktur und Lage
3.2. Gestalt und Aufbau der Priesterhäuser
3.3. Das evangelische Pfarrhaus
4. Vikarien und ihre Häuser
4.1. Entstehung, Struktur und Lage
4.2 Gestalt und Aufbau der Vikarienhäuser
5. Höfe der Dienstmannen
5.1. Entstehung, Struktur und Lage
5.2. Gestalt und Aufbau der Dienstmannenhäuser
6. Wohnungen der Kirchenbediensteten
7. Der Kaland
7.1. Geschichte des Kalands
7.2. Kalandhof und Kalandhaus
8. „Bürgerhäuser in der Freiheit
9. Die Reformation und ihre Auswirkungen auf die Freiheit ab 1520
10. Neustrukturierung der Freiheit seit dem späten 16. Jahrhundert
11. Beamtenwohn- und Dienstgebäude
11.1. Rezepturen
11.2. Kanzleiräte
V. Ergebnisse (S. 361–369)
Anhang
Abkürzungen (S. 371–372)
Anmerkungen (S. 373–416)
Personallisten (S. 417–421)
I. Kanonissen des 17. Jahrhunderts
II. Kanonissen des 18. Jahrhunderts
III. Wochenherren (hebdomadarii) seit 1255
Quellenverzeichnis (S. 422–424)
I. Archivalien
II. Gedruckte Quellen
Literaturverzeichnis (S. 425–443)
Abbildungsverzeichnis (S. 444–448)
Ortsregister zu Herford (S. 449–455)
Personenregister (S. 455–464)
